Das Thema Sicherheit ist hier eines, das einen immer begleitet und teils des Lebens hier. Besonders auch vor dem Hintergrund, dass Verbrechen und Gewalt nicht irgendwas weit entferntes ist, dass in irgendwelchen armen Nachbarschaften passiert.
Dass man hinter Mauern lebt, die entweder noch mit Stacheldraht oder Stromdraht ausgestattet sind, an das gewöhnt man sich recht schnell, auch wenn dies doch sehr traurig ist. Auch an die Toten und Entführten, die täglich auf der letzten Seite der Zeitung teilweise mit krassen Bildern zu finden sind. Auch an die Zahl von mittlerweile 96 Entführungen allein in diesem Bundesstaat Zulia in diesem Jahr hat man sich gewöhnt. Man weiss, dass man immer nur an Orte fahren soll, bei denen es Sicherheitspersonal vor der Tür gibt bzw. welche durch Zaun gesichert sind. Supermärkte mit Sicherheitspersonal, Kneipen mit Sicherheitspersonal, etc. Besonders bei Nacht ist dies wichtig. Unter Tags aber auch, d.h. ich schaue immer, dass viele Leute auf der Strasse sind oder es eben Sicherheitspersonal gibt, das einem wen. den Anschein von Sicherheit gibt. Dennoch ist man auch untertags nicht vor Überfällen oder ähnlichem sicher. Zum Glück ist mir persönlich noch nichts passiert. Aber an Vorfällen aus meiner nahen Umgebung fehlt es nicht. Im August (da war ich schon hier) waren 4 meiner Arbeitskollegen zum Mittagessen in einem Restaurant, als 2 Leute mit Pistolen herein gekommen sind. Es wurden Handys, Geld, Kameras, aber auch der Autoschlüssel und damit das Auto, ein Firmenwagen, eines meines Kollegen abgenommen. Und aberwitzig ist die Tatsache, dass danach nicht die Polizei geholt wurde, um alles aufzunehmen, sondern jeder ging heim und benachrichtigte später die Polizei aber nur über die gestohlenen Gegenstände. Das verrückte dabei: man muss zu 3 unterschiedlichen Polizeiabteilungen gehen, weil diese nicht untereinander verbunden sind. Glücklicherweise war ich aber nicht dabei und es war auch kein Restaurant, in das wir normalerweise gehen. Ca. eine Woche nach diesem Vorfall wurde eine der 4 Arbeitskollegen nochmal vor ihrem Haus überfallen von einem Jugendlichen, der ihr das Handy abgenommen hat.
Aber all dies ist noch nichts gegenüber dem Vorfall, der sich vor ca. 3 Wochen ereignet hat. Mein Arbeitskollege wurde angeschossen, hat zum Glück aber überlebt. Das krasse dabei, wenn das so nicht schon extrem genug wäre: Es war vor dem Apartmenthotel, in dem ich auch ca. 1 Monat gewohnt habe bzw. auch schon Leute abgeholt habe und davor noch etwas warten musste. Mein Kollege wollte einen anderen Kollegen, der in diesem Hotel gewohnt hat abends abholen und parkte vor dem Hotel, um ihn zu warten. Er sieht 3 rel. gut gekleidete Personen mit Laptops etc. aus dem Hotel kommen, die er vorher schon beim Hineingehen gesehen hat. Einer der drei kommt näher und schiesst auf ihn. Zum Glück hat dieser die Freundin des Kollegen, die auch im Auto sitzt, nicht gesehen (die Scheiben des Wagens sind alle verdunkelt, und es war nur die Seitenscheibe heruntergekurbelt). Der Kollege überlebt und kann sogar noch selbstständig ins Krankenhaus fahren, ehe er dort angekommen zusammenbricht. Was ist nun passiert. Die 3 Täter sind ins Hotel eingedrungen und haben den Leuten in der Lobby ihre Laptops und Geld und auch das Geld der Rezeption abgenommen. Der Kollege der abgeholt werden sollte war zu diesem Zeitpunkt auch schon in der Lobby und hat ebenfalls seinen Laptop und Geld abgenommen bekommen, ehe er mit den restlichen Anwesenden in die Toilette gesperrt wurde. Die 3 Täter sind dann aus dem Hotel gekommen und haben meinen Kollegen gesehen und wohl gedacht, er würde sie wiedererkennen oder verfolgen o.ä. und haben deswegen auf ihn geschossen. Wie gesagt hat er glücklicher Weise überlebt, aber hat immer noch Problem mit seinem Arm und seiner Hand, da wohl ein Nerv verletzt wurde. Er wird demnächst zum 2. mal operiert. Hoffentlich wird dies wieder ganz verheilen.
Ja wenn man das so hört ist das alles schon recht krass hier, aber dennoch habe ich irgendwie keine Angst, Respekt schon und vor allem Vorsicht ist immer geboten. Ich gehe fast nie ohne Auto aus dem Haus, also eigentlich nie, wenn ich kein Auto habe. Und lebe natürlich mit der Hoffnung, das mir nichts, auch keine Kleinigkeit passiert. Interessant ist dabei auch, dass meine Kollegen meinen, dass es jedes Jahr schlimmer wird. Vor 10 Jahren war es noch deutlich sicherer. Gut zu wissen, dass Herr Chavez seit 10 Jahren an der Macht ist und für Sicherheit sorgt...soviel zum Socialismo des 21. Jahrhunderts.
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